Mediengestaltung (Rösner)                                                                      HDM, 17. Mai 2003

 

 

Material

 

 

Peirce unterschied drei Zeichenfunktionen, die er "Icon, Index und Symbol" nannte.

Ein Ikon ist ein Zeichen, das für sein Objekt steht, weil es als ein wahrgenommenes Ding eine Idee wachruft, die naturgemäß mit der Idee verbunden ist, die das Objekt hervorrufen würde. Die meisten Ikons, wenn nicht alle, sind Ähnlichkeiten ihrer Objekte.  Dazu zählen z.B. Bilder und Fotographien (als Abbilder der Wirklichkeit).

Ein Wetterhahn ist ein Index. In einer dyadischen und faktischen Beziehung weist der Index auf ein Objekt hin (in unserem Beispiel: die Windrichtung). Er ist mehr als eine Kopie oder ein Abbild: ein Hinweis.

Steht zwischen dem Material und Objekt ein Gesetz oder eine Konvention, so haben wir es mit einem Symbol zu tun, dessen Code man kennen muss, um es zu verstehen. Oft greift das Symbol auf Vereinbarungen der Gesellschaft/Kultur zurück. Symbole sind also jene Zeichen, die sich auf ihre Objekte beziehen, nicht weil sie ihnen ähnlich sind oder weil sie tatsächlich mit ihnen verbunden sind, sondern weil man interpretieren wird, dass sie sich auf diese Objekte beziehen.


Film „Citizen Kane“

Der Titel „Citizen Kane“ ist ein Icon für den Film. Für den Zeitungsmagnaten Charles Foster Kane wird der Name seines Schlittens „Roseburg“ hingegen zum Index, der auf seine Kindheit verweist.


Material als Symbol

Wasser à                     Reinigung, aufbauende Kraft
Asche
à                        Vergänglichkeit, Sündhaftigkeit
Apfel
à                          Versuchung
Taube
à                        Friede, Hoffnung
Rose
à                          Liebe
Schornsteinfeger, vier
blättriges Kleeblatt
à     Glück

Die Malerei vom 5. – 15. Jhdt. verwendete bestimmt Farbe als Symbol:
gold
à                            Symbol für das Göttliche, Heilige
blau
à                            edel, königliche Farbe (z. B. Maria), Unendlichkeit, Stärke, Ferne

Ein Künstler in der gegenwärtigen Kunst verwendet auch die Farbe gold:
Josef Beuys (1921 – 1986)

• Beuys verwendet Filz & Fett als Symbol der „Lebens-Decken“ und  „-Salben“, sowie Honig für seine Werke.

• „Jeder Mensch ist ein Künstler“
à Vereinigung von Kunst und Leben

• Der Hase steht für Fruchtbarkeit (schnell, gewandt) und hat eine zentrale Bedeutung bei Beuys.

1921

12. Mai: Joseph Beuys wird in Krefeld als Sohn eines Kaufmanns geboren.

1943

Während eines Einsatzes als Kampfflieger im Zweiten Weltkrieges stürzt er über der Krim ab. Er entgeht nur knapp dem Tod. Einheimische retten den Verwundeten, salben ihn mit Talg und hüllen ihn in Filz. Diese Erfahrung prägt seine Kunst: Filz und Fett sind neben Wachs und Kupfer seine zentralen Materialien. Der Hut - Beuys unverkennbares Markenzeichen - überdeckt die nach seiner schweren Verletzung eingepflanzte Silberplatte in der Schädeldecke.

1947-1952

Studium der Malerei und der Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Josef Enseling, später Meisterschüler von Ewald Mataré.

 

 

1961-1972

Professur an der Kunstakademie Düsseldorf.

1972

30. Juni-8. Oktober: Auf der documenta 5 in Kassel stellt Beuys ein Büro seiner "Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung" aus. Beuys ist bis zum Ende der documenta jeden der 100 Tage in diesem Büro anwesend.
10. Oktober: Beuys besetzt mit abgewiesenen Bewerbern für das Kunststudium erneut das Sekretaritat der Kunstakademie Düsseldorf. Noch am gleichen Tag schickt der Minister für Wissenschaft und Forschung, Johannes Rau, die fristlose Kündigung zu. In einem offenen Brief protestieren Künstler wie Heinrich Böll, Peter Handke (geb. 1942), Uwe Johnson, Martin Walser und Gerhard Richter gegen die Entlassung. Beuys klagt gegen das Land Nordrhein-Westfalen wegen der fristlosen Kündigung.

1978

Abschluß des Rechtsstreits bezüglich der Professur an der Kunstakademie Düsseldorf. Beuys bekommt Recht, die fristlose Kündigung von 1972 wird für rechtswidrig erklärt. Es wird ein Kompromiß ausgehandelt: Beuys behält den Professorentitel und das Nutzungsrecht für das Atelier.
Gastprofessur an der Wiener Hochschule für Angewandte Kunst.

1986

23. Januar: Joseph Beuys stirbt in Düsseldorf nach einer seltenen Entzündung des Lungengewebes an Herzversagen.



Material als Index

Indices können Uniformen, oder Verkleidungen sein. Ein Schornsteinfeger kann mit seiner Uniform den Indices, wie auch als Glücksfigur den Symbolen zugeordnet werden.

schwarzes Leder à      Motorradkult, SM, ...
Jeans
à                         Arbeitshose für starke Beanspruchung



Material als Icon

• Icone der Heiligen ist z. B. Maria. Ein Heiligenobjekt/ -bild steht für den Heiligen. Durch das Objekt/ Bild ist der/die Heilige anwesend.

• Andy Warhol verwendet auch Iconen: Marilyn Monroe, Elvis, ...

 

 

Richard Hamilton: Just what is it that makes today´s homes so different, so appealing?
Collage, Kunsthalle Tübingen

Ausgangspunkt für Richard Hamilton sind Iconen. Mit der Collage entsteht ein Symbol, das ein Lebensgefühl - die Konsumgesellschaft widerspiegeln soll.

 


Materialcharakter

Der Materialcharakter ist nur indirekt erkennbar. er ist abhängig u. a. von Form, Farbe und Struktur. à hart, weich, spröde, elastisch usw.

Es gibt keine festen Kontrastpaare sondern nur eine Vielfalt von Kriterien.

Struktur: grob, fein
Faktur: hergestellte Materialien
Textur: haben Naturbedingte Struktur und eine geschaffene „Faktur“ z. B. Wolle

Das Material kann verschiedene (Agregat)-Zustände annehmen – z. B.:

                                                    Wasser à Eis, Wasserdampf
                                                    Holz
à Baum/Stamm, Brett, Späne, Sägemehl
                                                    Stein .... etc.

è Materialbuntheit (es gibt eine Verwirrende Vielfalt)


Ordnungen

Vier klassische Elemente nach Aristoteles:

Modernes System der Ordnung (Beuys):