Mediengestaltung (Rösner)                                                                      HDM, 30. Mai 2003

 Bewegung

   
Bewegung von Objekt und Auge

Wir erwarten Bewegungen, auch wenn sie in Wirklichkeit gar nicht ausgeführt werden. Beispiel dafür ist ein Leuchtturm, der im Dunkeln durch das Schwarz wandert, erst bei Tageslicht erhält er seine statische Eigenschaft, da wir ihn in die jetzt sichtbare Landschaft einordnen können.
Absolute Statik gibt es nicht - alles lässt sich bewegen. Entweder bewegt sich das Objekt oder das Auge:

 

Objekt bewegt -
Objekt statisch -

Auge statisch
Auge bewegt (tatstet ab)

 

Wahrnehmung von Bewegungen

Objekt- und Augenbewegung verhalten sich reziprok proportional.

Die Wahrnehmung von Bewegungen ist immer subjektiv. Beispiel dafür ist der Mond bei Nacht, wie er durch die Wolken rast. Oder während der Fahrt in einem Aufzug scheinen die Wände sich an einem vorbei zu bewegen. Ähnlich ist es auch bei Zügen in einem Bahnhof oder einem Auto, dass durch die Landschaft fährt.
Das Bewegungsverhalten wird relativ, in Abhängigkeit vom Beobachtungsstandpunkt wahrgenommen.

Sukzessiv-Kontrast

Mit Sukzessiv-Kontrast bezeichnet das Nachscheinen von Bewegungen in Gegenrichtung der eigentlichen Bewegung.

 

Establishing Shot

Als Establishing Shot wird eine Einstellung bezeichnet, die dem Zuschauer einen Überblick über den Ort des Geschehens verschafft. Der Establishing Shot wird fast ausschließlich zu Beginn einer Szene eingesetzt.

 

Bewegtheit

Die Bewegtheit ist abgeleitet von der Bewegung. Der Kontrast von schwarz/weiß ist starr, bewegungslos. Erst das Dazutun von grau-Kontrasten bringt Bewegung (beschleunigt oder verzögert) in das Bild.

Horizontale: statisch (passiv)

Vertikale: labil (dynamisch, aktiv)

Diagonale: bewegt

 

Geraden sind doppeldeutig:
Kreis auf der Geraden: starr, ruhend (statisch)

Kreis unter der Geraden: fliegend (dynamisch)
Noch dynamischer ist ein Bogen. Eine Kreisförmige Bewegung empfinden wir zügig.
Zentrifugale: zügige, aus sich herausgehende Bewegung
Zentripetale: zügige, in sich kehrende Bewegung

 

Kombination von zentrifugaler und zentripetaler Bewegung: pulsierend (vgl. ausschlagendes Pendel)

 

Johannes Itten

Bauhauslehrer Johannes Itten führte Atem- und Zügigkeitsbewegungen zum Unterrichtsbeginn durch. Er entwickelte einen Farbkreis, der auf Goethes Farbtheorie aufbaut.

Bewegung und Widerstand Widerstand verändert eine Bewegung. Sie wird zum Beispiel abgelenkt und schlägt so in eine neue Richtung, Bewegung ein. In einem Wasserstrom, der auf einen Brückenpfeiler trifft entstehen viele neue Bewegungen. Oder ein Stein der ins Wasser fällt löst mehrere neue Bewegungen im Wasser (Wellen) aus.
  "Widerstand als Ausgangspunkt neuer Bewegungen"
  Eine gute Bewegung braucht Zügigkeit und Widerstand - Fluss und Störung.

Bewegung und Kraft Bewegung ist Ergebnis einwirkender Kraft. Beispiel hierfür ist ein fallender Stein, dessen Bewegung durch die Gravitationskraft ausgelöst wird. Ein fliegender Vogel ist eine komplexere Bewegung, wir nennen dies Bewegungsgestalt. Die Bewegungsgestalt ist eine Summe von Bewegungskomponenten. Aber sie ist signifikant. So erkennt ein Vogelkenner den Vogel an seinem Flug.

Phänomen der Geschwindigkeit Geschwindigkeit ist der Grad der Bewegtheit. Die menschliche Wahrnehmung hat eine untere (Schnecke) bzw. obere Grenze (Rakete) Geschwindigkeiten wahrzunehmen.
Die Wiederholung einer gleichen Bewegung ist ein Metrom.

Intervalle Ein Intervall ist ein Zwischenraum, den man in einem Zahlenverhältnis ausdrücken kann. In der Musik findet man Tonintervalle, die Auskunft über den Tonhöhenabstand zweier Töne geben.

  Oktave Schwingungsverhältnis von 1 : 2
Quinte 2 : 3 (Din A4)
Quarte 3 : 4 (günstige Proportion für Film und Fernsehn)

  Es entsteht eine Suche nach Harmonie - eine Lyra für Intervalle - nicht nur in der Musik, sondern auch in anderen Künsten. Zum Beispiel die Suche nach optisch günstigen Verhältnissen, nach geeigneten Proportionen.
Proportionen harmonisch, aber eher langweilig

Goldener Schnitt

Das Verhältnis der kleinen Seite zur großen Seite, ist wie das der großen Seite zur Summe der beiden. -> göttliche Proportion:

Minor : Major (5/8) = Major : [Minor + Major] (8/13)

 

Pythagoras Pythagoras benutze nur die Zahlen 1-4, da diese wesentlicher Bestandteil der Intervalle sind. Ungerade Zahlen (1, 3) verkörpern das Schöne, Vollkommene und Maßvolle (apollinisches Prinzip), gerade Zahlen (2, 4) hingegen das Maßlose, Leidenschaftliche und Barbarische (dionysisches Prinzip). Die Quersumme von 1, 2, 3 und 4 ist 10. Abgesehen davon, dass der Mensch 10 Finger und 10 Zehen hat, konnte Pythagoras über das Dezimalsystem (das zehn zur Basis hat) das komplette Zahlenspektrum darstellen.

Yin Yan Das Yin Yan beschreibt die Gegensätze:
Tag/Nacht, Frau/Mann, gerade/ungerade
Psychologie der Bewegung

Orientierungsreflex:


Fly-or-Fight-Syndrom:

Alarmhaltung bei plötzlicher Bewegung, unerwarteter Sinneseindrücke

Entscheidung: Flucht oder Angriff

Psycho (Hitchcock)

Beispiel für einen hoch dramatisch nach dem Orientierungsreflex konstruierten Film: Psycho. Die Szene unter der Dusche, in der sich der Mord anbahnt enthält 70 Schnitte in 45 Sekunden. In solch einer Szene muss der Spagat zwischen Unterreizung (Ungeduld, Langeweile, Unterforderung) und Überreizung (Abwehr, Abschalten, Überforderung) gelingen.