Kulturelle Muster

Der Spot geht stilistisch schon fast in Richtung der indischen "Bollywood"-Filmproduktionen. Diese sind gekennzeichnet von überspitzten Charakteren und teils kitschiger Handlung, gemischt mit typisch indischer Musik. Er entstand wohl auch in Anlehnung an den Hype, den die Indische Mode und Bhangra-Musik zurzeit in Europa erlebt.
Gedreht wurde im indischen Jaipur, auf dem Marktplatz vor dem Palast des Maharaja's. Das wird noch mehr verdeutlicht durch indische Statisten, die eingesetzten Requisiten und die Hintergrund-Musik.
Der Hauptdarsteller ist ein junger Inder aus Bombay, der als Notbesetzung für den ursprünglich gecasteten Darsteller einspringen musste. Dieser brach sich kurz vor Beginn des Drehs ein Bein, und es musste schnellst möglich ein Ersatzschauspieler gefunden werden. Einer der beiden verantwortlichen Creative-Directors, Roberto Greco, beschreibt ihn als "einen Träumer, aber gleichzeitig cool".
Damit drückt er aus, was uns der Spot vermitteln will: Hier ist ein junger moderner, westlich orientierter Inder, mit dem Willen aus seinem indisch-traditionellen Leben ein bisschen auszubrechen. Seine Sehsucht nach einem Stück des westlichen Wohlstands zwingt ihn zur Eigeninitiative.
Dies geschieht hier auf eine besonders unübliche Art und Weise. Die Handlung zeigt, wie der junge Mann versucht sein Auto, ein Hindustan Ambassador, nach eigenen Wünschen und Vorstellungen, unter Einsatz von Hammer, Flex und sogar mit Hilfe eines Elefanten neu zu gestalten.
Der in Kalkutta gefertigte Ambassador beruht in seiner Form auf der eines englischen Kleinwagens aus den 50er Jahren. Er wurde im Laufe der Jahre weder optisch noch technisch wesentlich verändert. Trotzdem es ein ziemlich einfaches Auto von schlechter Qualität ist, war bis in die 80er Jahre fast jedes in Indien verkaufte Auto ein Ambassador. Erst durch das Aufheben der indischen Importbeschränkungen im Jahre 1995 wurde der einheimische Markt zunehmend mit ausländischen Export-Gütern überschwemmt. Im Zuge dessen ging der Marktanteil des Ambassador auf weniger als 5% zurück.
Noch immer finden sich aber in Kalkutta, und in den meisten anderen großen Städten, Märkte,
die gebrauchte und auch selbst gebaute Ersatzteile für den Ambassador anbieten. Und so kann sich jeder Inder für umgerechnet 350€ einen zumindest optisch neuen Wagen zusammen basteln. Angesichts des geringen Einkommens eines einfachen Inders, und des Neuwagen-Preises von ca. 8000€ für einen Ambassador, ist das eine häufig gebräuchliche Methode günstig an ein neues Auto zu kommen.
Der Hindustan Ambassador wird hier wohl als Symbol für die indische Kultur und Wirtschaft verwendet. Er ist der Inbegriff eines landestypischen Wagens, zu dem sich im Laufe der Jahrzehnte eine Art ‚Zweckliebe' bei der indischen Bevölkerung gebildet hat.
Man kann also vermuten, dass die in diesem Spot dargestellte Handlung eine ironische Anspielung auf die Bastelwut autoversessener Inder ist. In unserem Fall ist der junge Mann zudem äußerst clever, da er versucht einen modernen westlichen Wagen, den Peugeot 206, nachzubauen, um sich so von seinen anderen Landsleuten abzuheben. Er hätte sonst auch keine reelle Chance an seinen stromlinienförmigen Traumwagen zu kommen, da dieser für den indischen Markt nicht angeboten wird.
Es bleibt noch die Frage, ob es Absicht war, dass bei dem ursprünglichen Ambassador sich das Lenkrad, in englischer Weise, auf der rechten Seite befand, und es beim fertigen Peugeot 206 auf der linken Seite zu sehen ist. Vielleicht ging der Ergeiz des jungen Inders bei seinem Vorhaben sogar soweit, auch mit diesem Relikt, aus der Zeit Indiens als englische Kolonie, zu brechen.
Am Ende des Spots scheint auf jeden Fall sein Ziel erreicht: die Mädchen zu beeindrucken und die Männer neidischen Blickes schauen zu lassen. Er fährt abends mit einer unglaublichen Mine des Stolzes mit seinen Freunden flanieren. Und so schafft er ganz locker die Verbindung zwischen indischer Tradition und westlichem Lifestyle.

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