Kameraarbeit

Der Spot beginnt klassisch mit einer Totalen, wodurch der Zuschauer sich einen Überblick über den Ort des Geschehens verschaffen kann. Er sieht den Protagonisten von hinten auf einer Bank sitzend. Die Einstellung ist so gewählt, dass das Hauptgeschehen sich nicht im Zentrum sondern rechts unten im Bild befindet. So mag dem Zuschauer der Hauptdarsteller im ersten Moment gar nicht auffallen. Erst mit einerseits der Kamerafahrt auf ihn zu und schließlich den insgesamt 3 sich steigernden Einstellungen (von hinten - Totale, im Profil - Halbtotale, leicht schräg von vorne - Nah) gewinnt der Protagonist das Interesse des Zuschauers. Zusätzlich hebt er sich durch seine Bewegungslosigkeit vom Umfeld ab. Rings um ihn herum tobt das Leben und in Einstellung 2 durchquert im Vordergrund sogar eine Passantin das Bild. Des Weiteren wird an dieser Stelle klar, dass die Kamera sich in Augenhöhe mit dem Protagonisten befindet und er somit zusätzlich fokussiert wird (von der Passantin ist nur der Rupf zu sehen). Doch nicht nur durch die immer näheren Einstellungen sondern auch durch langsame Kamerafahrten auf ihn zu, lernt der Zuschauer den Protagonisten "immer näher kennen".
Und so bemerkt er spätestens in der 3. Einstellung , dass der Darsteller auf etwas zu starren scheint. Auffällig ist, dass er nun nicht frontal von vorne sondern leicht schräg von der Seite betrachtet wird. Die Kamera, hier als ein sich anschleichender Beobachter, will ihn nicht stören, also seine Blickachse nicht betreten oder gar überqueren.
Das Gleiche gilt in der nächsten Einstellung, die um fast 180° gedreht ist. Diese entspricht annähernd seinem Blickfeld. Der Ambassador ist mit einer Nahaufnahme dargestellt. Hier wackelt die Kamera besonders stark. Sie scheint den gleichen Weg zurückzulegen wie in der nächsten Einstellung der Protagonist selbst, was wiederum das Wackeln der Kamera erklären würde. Dieser bahnt sich nämlich seinen Weg durch die Passanten zum Ambassador. Er ist dabei leicht schräg von hinten zu sehen, was die Vermutung zulässt, dass die Kamera am gleichen Ort wie bereits in Einstellung 3 steht. Während des gesamten begleitenden Schwenks von links nach rechts befindet sich der Protagonist am linken Bildrand, womit genug Platz in Richtung der Bewegung gewährleistet ist.
Die nächste Einstellung ist eine Halbtotale und man sieht wie er ins Auto steigt und die Tür zuschlägt.
Gerade noch der unbeteiligte Beobachter, sitzt die Kamera in Einstellung 7 auf der Rückbank des Autos und schaut dem Hauptdarsteller über die Schulter bzw. in Einstellung 8 auf dem Beifahrersitz. Sie fährt mit. An dieser Stelle wechselt die Kameraperspektive zudem von der Richtung der Bewegung in die Orthogonale.
Der Crash hingegen wird wiederum von außerhalb verfolgt (Totale). Dieser begleitende Schwenk endet genauso abrupt wie die Autofahrt.
Im nächsten Moment (Einstellung 10) sitz der Beobachter erneut auf der Rückbank. Diese Art der Einstellungsgröße (Nahe) schränkt das Blickfeld des Beobachters extrem ein, was zur Folge hat, dass sie Unwissenheit über das Geschehen in der Umgebung und damit Spannung erzeugt. Gleichzeitig wird ein Gefühl des Ausgeliefertseins hervorgerufen.
Und schon klebt das Auto an der nächsten Wand! Dieser zweite Crash ist in gleicher Weise dargestellt wie der erste (s.o.) mit dem kleinen Unterschied, dass sich der Beobachter nun auf der anderen Seite der Bewegungsachse befindet und damit der Schwenk folglich von rechts nach links verläuft.(die Wand ist die selbe!)
Mit diesen Stunts hat der Protagonist nun auch die Aufmerksamkeit der restliche Leute auf dem Platz, was die Nahaufnahme in Einstellung 12 zeigt. Diese Einstellungsgröße wurde gezielt gewählt um die Gestik und Mimik der Leute zeigen zu können: die offenen Münder und das Lachen.
In Einstellung 13 wird der Hauptdarsteller durch eine Nahaufnahme (immer noch in seiner Augenhöhe) in gleicher Weise unter die Lupe genommen wie er das Auto begutachtet. Hierzu steht die darauf folgende Totale im Gegensatz: Man sieht den Hauptdarsteller im Hintergrund mit einem Elefanten vor seinem Auto und kann nur erahnen was er vorhat. Dabei hilft die Nahaufnahme in Einstellung 15 auch nicht weiter. Erst mit der Halbtotalen sieht man wie der Elefant auf der Kühlerhaube sitzt und diese zerquetscht. Das Tier wirkt, da er aus einer leichten Froschperspektive betrachtet wird (Augehöhe des Protagonisten), riesengroß. Die folgenden Einstellungen (17-21) sind extrem schnell geschnitten, wobei zum ersten mal Detailaufnahmen vorkommen.
In Einstellung 20 findet ein Reißschwenkt statt ("Wischer"). Dies gescheit so schnell, dass das Bild verschwimmt und unscharf wird. Der Schlag des Protagonisten auf das Auto wir nachgeahmt. Auf diese Weise bleibt der Zuschauer im Unklaren darüber, wie das Auto jetzt eigentlich aussieht. Der gleiche Wechsel von Halbtotal auf Nah und umgekehrt gilt auch für die Einstellungen 22-25, die nächtliche Bastelphase.
In Einstellung 26 folgt dann das gegenteilige extrem: die Totale. Hier wird auf Grund des Distanz und der Dunkelheit immer noch der genaue Blick auf das Auto verwährt.
In Einstellung 27 findet eine Kamerafahrt auf den Protagonisten statt. Zum ersten mal ist hier die Kamera nicht in Augenhöhe mit dem Hauptdarsteller gewählt - vermutlich aus dem einfachen Grund, dass man so das leicht geneigte Stück der Zeitung besser erkennen und gleichzeitig deren Bewegung von unten nach oben mitgemacht werden kann.
In der nächsten Einstellung (28) beim Höhepunkt des Spots wird auf eine besondere Art der Kameraperspektive zurückgegriffen: die subjektive Kamera. Das heißt der Zuschauer kann sich nun direkt mit dem Protagonisten identifizieren - er sieht die Gegebenheiten mit den Augen des Akteurs. In diesem Fall die Seite einer Zeitschrift, auf der der Peugeot 206 abgebildet ist. Von der Einstellungsgröße ist hier die Detailaufnahme gewählt, sodass die Zeitschrift fast das ganze Bild füllt und damit den Hintergrund (den neuen Ambassador) komplett verdeckt. Zusätzlich nähert sich die Kamera noch. An dieser Stelle, beim Übergang in die nächste Einstellung, kommen gleich mehrere Stilmittel zum Tragen. Erstens wird eine Art Blende eingebaut. Der Protagonist bewegt die Zeitschrift nach unten aus seinem und dem Blickfeld des Zuschauers hinaus. Dies wirkt wie ein Vorhang, der geöffnet wird und nun die Sicht auf das zu präsentierende Objekt nach und nach frei gibt. (Spannung wird erzeugt) Der selbstgebaute Peugeot befindet sich in genau der gleichen Position wie der in der Zeitschrift abgebildete. Zweitens ahmt die Kamera das menschlich Auge nach, indem es nun auf den selbstgebauten Peugeot scharf stellt. Man merkt förmlich wie die Brennweite verstellt wird.
In der nächsten Einstellung (31), einer Großaufnahme, wird das stolze Gesicht des Protagonisten leicht schräg von der Seite und vor allem aus einer leichten Froschperspektive dargestellt. Nun befindet sich der Beobachter nicht mehr auf Augehöhe mit ihm. Seine tiefere Position versetzt den Protagonisten in eine Machtposition und symbolisiert seine Überlegenheit. Er hebt sich mit seinem Prachtauto förmlich von Rest ab.
Die nächste Einstellung (32) zeigt das von links nach rechts in einer Diagonale fahrende Auto in einer Großaufnahme im Vordergrund. Die Kamera macht einen begleitenden Schwenk. Im Hintergrund ist verschwommen ein Fest zu erkennen.
In Einstellung 33 bewegt sich das Auto in der dazu gegensätzlichen Diagonale: von rechts hinten nach links vorne. Jetzt sind auch die Gesichter der Insassen zu erkennen. Lässig und cool bewegen sie ihre Köpfe im Rhythmus der Musik.
Als nächstes sieht der Zuschauer die bewundernden und neidischen Blicke von 2 Gästen (einer Frau und einem Mann) in einer Großaufnahme (Einstellung 34). Zwar wird auch hier eine Froschperspektive benutzt aber jedoch nicht um deren Überlegenheit oder Macht darzustellen, sondern allein um dem Zuschauer annähernd die Blickrichtung des Protagonisten zu vermitteln, der sich ja im Auto sitzend auf einer niedrigeren Position befindet. Zusätzlich macht die Kamera die gleiche Fahrt wie das Auto.
Zum Schluss wird an Einstellung 33 angeknüpft- die Kamerafahrt auf den Protagonisten im Auto wird fortgesetzt bis hin zur Nahaufnahme. Man sieht noch ein letztes Mal seinen stolzen Blick und wie er mit der Frau flirtet.
In der allerletzten Einstellung wird das Peugeot Logo eingeblendet.


Allgemein/Besonderheiten - Montage

Im Schnitt wird die einfachste Art der Montage gewählt, die Erzählmontage. Diese richtet sich genau nach dem chronologischen Ablauf der Geschehnisse - von der ersten Idee des Protagonisten bis hin zu seiner triumphalen Jungfernfahrt im selbstgebauten Peugeot 206. Jede andere Art der Montage würde den Zuschauer zu sehr verwirren und er könnte dem Geschehen nicht mehr folgen. Denn der Spot ist extrem schnell geschnitten. Das heißt bei einer Gesamtdauer von 42,20 Sekunden bei 34 Einstellungen dauert die einzelne Einstellung im Durchschnitt gerade mal rund 1.17 Sekunden! Wobei genau in der Mitte des Spots die kürzesten Einstellungen vorkommen - bei der Bearbeitung der Karosserie. Davon abgesehen nehmen die Einstellungslängen insgesamt aber in Richtung Ende des Spots zu (siehe Diagramm zur Einstellungsdauer). Außerdem wird auf komplizierte Übergänge zwischen den einzelnen Einstellungen bewusst verzichtet (keine Blenden).Des weiteren wir der sogenannte Jump Cut verwendet, das heißt der Handlungsablauf wird unterbrochen und zeitlich gekürzt. Dies ist nötig um die erzählte Zeit auf die Erzählzeit zu verringern. Also die 2 Tage in denen die Handlung des Spots spielt auf 42,20 Sekunden zu reduziert.
Eine Besonderheit in Sachen Kameraarbeit ist die Tatsache, dass die Kamera sich permanent bewegt. Entweder in Form von Fahrten und gleichzeitig leichtem Wackeln, was vor allem am Bildrand zu beobachten ist. Einzige Ausnahme ist die Einstellung 26, wo mitten in der Nacht bis auf unseren Protagonisten und eine Kuh alles reglos zu sein scheint. Diese Art der ständigen Bewegung erweckt den Anschein als ob mit Handkameras gefilmt worden wäre, was wiederum im Einklang mit der unkonventionellen Art steht, in der der Protagonist sich sein Traumauto beschafft.

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